Hubkiel oder nicht Hubkiel, das ist hier die Frage! 2


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Nach über 20 Jahren haben wir letztes Jahr leicht eingerostet wieder mit dem Regattasegeln begonnen. Noch immer fahren wir unsere Wastl, eine Hubkiel-Aqulia.
Im Segelclub Traunkirchen empfing uns reges Treiben, schließlich wurden im Rahmen der Traunseewoche von hier aus die drei verschiedenen Bootsklassen Aquila, Kielzugvogel und 20er Jollenkreuzer gestartet.

Am Donnerstag versammelten sich alle pünktlich um 14.00 Uhr in angespannter Erwartung rund um das Startschiff. Beim Warten auf mehr Wind und darauf, dass die Bojen in dem 140 Meter tiefen See verankert werden konnten, erschreckte uns Raoul mit einem Salto rückwärts! Sein Ausreitgurt war gerissen und somit ging er über Bord! Martin Kahlhammer jun. erkannte die schwierige Situation und sprang beherzt ins kalte Wasser, um Raoul und seiner elfjährigen Tochter Claudia beim Aufstellen des Bootes zu helfen. Claudia ließ sich jedoch durch diesen Zwischenfall nicht beirren und stieg sofort wieder ins Boot. Schließlich ging es mit mäßigem Wind Richtung Traunkirchen. Unser Hubkiel kommt bei eher schwachem Wind nicht so gut ins Laufen, doch kämpften wir uns vorwärts. Auch der Raumschotkurs machte uns mit dem neuen Spinnacker zu schaffen – immer wieder fiel das Liek ein. Es schien, als ob das Segel die „Ohren anlegen“ würde, was mich zur Verzweiflung brachte und meinen Steuermann zu guten Tipps veranlasste. Schließlich segelten wir um einige Erkenntnisse reicher als letztes Boot über die Ziellinie. Auch die zweite Wettfahrt gestaltete sich für uns nicht besser, es war einfach zu wenig Wind. Die letzten Meter vor dem Ziel lagen wir zwar mit Hans und Alfred gleichauf, doch ein Lufthauch ließ die Leoncor unseren Blicken entschwinden. Dankenswerterweise hatte sich die Victoria „verfahren“ und überließ uns somit den vorletzten Platz.

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Auch der nächste Regattatag lief für uns nicht besser. Beim Start der ersten Wettfahrt kamen wir gut von der Startlinie weg und konnten anfangs mithalten. Aber mit der Zeit überblickten wir auch diesmal das Feld gut von hinten. Da sich die zweite Wettfahrt ähnlich gestaltete, sank die Motivation an Bord langsam aber sicher in den Keller. Ich dachte schon daran, an Land zu schwimmen und Gerhard erwägte den Kiel abzusägen. Als wir endlich zur Luvtonne kamen, erwartete uns eine neue Überraschung: Die Flagge „S“ war gesetzt! Kurze Verwirrung machte sich auf der Wastl breit! Wo war nun tatsächlich das Ziel? Egal, wir rundeten wieder einmal als letztes Boot der Aqulia-Klasse die Tonne und stellten fest, dass wir noch sehr viel lernen müssen! Da wir die anderen nicht warten lassen wollten, übten wir wieder mit unserem neuen Vorwindsegel und kamen eine gefühlte Minute vor der nächsten Wettfahrt gerade noch rechtzeitig zum Start. Schnell holten wir den Spi ein, machten uns bereit und glaubten es nicht – wir segelten mit Schwung über die Startlinie, wählten die westliche Seeseite und Wastl fing an zu laufen…. Unser Boot lag sogar im vorderen Drittel! Doch leider währte unsere Freude nicht lange und der Wind schlief völlig ein. Die dritte Wettfahrt, die für uns so gut begonnen hatte, wurde abgebrochen und wir bekamen Schlepphilfe zum SCT. Den Abend ließen wir beim Seglerfest in Schloss Orth bei Ox’n mit Serviettenknödel und Kraut in entspannter Stimmung ausklingen.

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Der dritte Wettkampftag begann ohne Wind und mit Startverschiebung! Wieder keine guten Vorzeichen für uns! Doch gegen Mittag wurde es ernst. Der Wind frischte zu unserer Freude auf und Wastl zeigte Richtung Traunkirchen, dass sie doch Tempo machen konnte. Mit einem 6. und 5. Platz waren wir sehr zufrieden. Sollten wir den Kiel doch nicht absägen müssen? Aber schon beim Start zur dritten Wettfahrt war wieder alles klar: wenig Wind = kein Tempo für Hubkiel der Kiel muss ab!

Für uns war es jedenfalls ein sehr lehrreiches Regattawochenende, da wir mit unserem Hubkiel viel Zeit zum Üben hatten;-) Außerdem konnten wir so die anderen Boote gut im Blick behalten:

  • Fritz Walisch mit fünf (!) ersten und einem dritten Platz wird immer besser;
  • Raoul segelt auch mit seiner Tochter als Vorschoterin wie ein Weltmeister (Chapeau!);
  • Das Ehepaar Kahlhammer durfte sich in Summe mit dem dritten Platz zufrieden geben. Aber wer weiß, was die nächsten Regatten bringen werden? (Vielleicht sollte ich bei Christine in die Lehre gehen, so wie sie den Spi fährt?!)

Wir freuen uns jedenfalls auf die kommenden Wettfahrten, hoffentlich dann mit mehr „hubkielgeeignetem“ Wind! Ach ja, und über das „Absägen“ des Hubkiels werden wir noch gut nachdenken!

 

 


Cornelia Kittinger
OE203


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2 Gedanken zu “Hubkiel oder nicht Hubkiel, das ist hier die Frage!

  • Christian Kimmeswenger

    Klasse Bericht, Cornelia! Herzlichen Dank dafür.
    Eine Frage zur Gesundheit, wie geht es eigentlich der Wastl? Amputation gelungen? Oder wie gehabt mit Hubkiel in Seeham?

    Wir freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen!

    LG,
    Christian,Moni, Chilli