{"id":4554,"date":"2017-04-28T22:26:41","date_gmt":"2017-04-28T21:26:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aquila-austria.at\/?p=4554"},"modified":"2017-06-20T10:19:45","modified_gmt":"2017-06-20T09:19:45","slug":"auf-verlorenem-posten-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aquila-austria.at\/?p=4554","title":{"rendered":"&#8222;Eine Reise von Linz nach Triest&#8220; &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<pre>Auszug aus der YachtRevue 01\/1991. Herzlichen Dank an die Redaktion der <a href=\"https:\/\/www.yachtrevue.at\/\">YachtRevue<\/a><\/pre>\n<h3>Die erste Runde im Kampf mit den Elementen brachte zwei Abenteurer aus Linz an den Rand einer Niederlage. An Aufgabe dachten Sie aber keinen Augenblick<\/h3>\n<div id=\"attachment_4556\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4556\" class=\"wp-image-4556\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-300x186.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-300x186.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-768x475.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1-1024x633.jpg 1024w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1.jpg 1043w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4556\" class=\"wp-caption-text\">2500 Meilen auf einer Aquila: Gerhard Kittinger (links) und Anton Lorenz, Bezwinger der Dardanellen, der \u00c4g\u00e4is und der Adria<\/p><\/div>\n<p><em>Vorwort Yachtrevue 01\/1991:<br \/>\nDie rasante Aufw\u00e4rtsentwicklung des Charterwesens hat in den letzten Jahren die endg\u00fcltige Wandlung des elit\u00e4ren Yachting zum Sport f\u00fcr jedermann bewirkt. Der T\u00f6rn auf der Yacht ist f\u00fcr viele \u00d6sterreicher zur normalen Urlaubsvariante geworden, was f\u00fcr viele \u2014 die Yachrevue eingeschlossen \u2014 erfreulich ist. Es gibt aber auch kritische T\u00f6ne dazu, die vorwiegend das Verhalten dieser neuen Generation von Fahrtenseglern betreffen. Vor allem das goldene Wienerherz h\u00e4lt sich beispielsweise recht wenig an die Yachtetikette, und Sie d\u00fcrfen ruhig darunter auch das verstehen, was Sie sich jetzt wahrscheinlich denken. Nat\u00fcrlich ist dieser Vorwurf nicht auf die Wiener beschr\u00e4nkt, und wenn die Fahrtensegler in einer der letzten Ausgaben gelobt wurden, dann d\u00fcrfen sie diesmal Schelte einstecken. F\u00fcr N\u00e4heres ist in den n\u00e4chsten Ausgaben Platz reserviert.<\/em><\/p>\n<p><em>Etikette ist allerdings nicht das einzige, was bei dieser Entwicklung auf der Strecke bleibt, denn mit Sport hat es beispielsweise wenig zu tun, wenn man unter Motor oder schnell ausgerollter Genua von Marina zu Marina oder Restaurant zu Restaurant gondelt und sich dabei besonders toll f\u00fchlt. Das \u201eelit\u00e4re Yachting&#8220; auf Binnenseen harte da Weit mehr zu bieten.<\/em><\/p>\n<p><em>Dass es auch ganz anders geht, bewiesen zwei Lichter Studenten, die mit ihrer Aquila, einer sechs Meter langen Jolle, von Linz nach Triest fuhren &#8211; \u00fcber die Donau, das Schwarze Meer, \u00c4g\u00e4is und Adria. Eine ganz erstaunliche Leistung, und wenn man liest, dass die beiden in der \u00c4g\u00e4is einen<\/em><\/p>\n<p><em>65-Meilen-Schlag in der Nacht absolvierten (mit gehisster Petroleumlampe), dann wundert man sich schon, dass die beiden auf den 2.500 Meilen in keine lebensbedrohende Situation gekommen sind. Offensichtlich haben die beiden die Grenze zwischen Mut und Wahnsinn sehr gut im Griff, was man von manchen Fahrtenseglern nicht behaupten kann.<\/em><\/p>\n<h3>Eine Reise von Linz nach Triest &#8211; 2. TEIL<\/h3>\n<p><strong>Auf der Suche nach dem gro\u00dfen Abenteuer fassten Gerhard Kittinger und Anton Lorenz im Fr\u00fchjahr 1990 den Entschluss, mit einer 6,30 m langen Jolle von Linz nach Triest zu segeln. Kollegen, befreundete Segler und Angeh\u00f6rige hielten die Idee vorerst f\u00fcr einen Scherz; dem war nicht so.<br \/>\nKittinger verst\u00e4rkte s\u00e4mtliche Beschl\u00e4ge der Jolle, Lorenz zeichnete f\u00fcr die Ausr\u00fcstung verantwortlich, und als die Aquila namens Wastl voll beladen im Winterhafen Linz zur Abfahrt bereit lag, sah sie ziemlich abg&#8217;soffen aus. Dieser Anblick verschreckte sogar die gr\u00f6\u00dften Optimisten, sodass nicht einmal sie damit rechneten, dass die Studenten das rund 2000 Kilometer entfernte Schwarze Meer erreichen w\u00fcrden. Von Triest als Endhafen sprach zu diesem Zeitpunkt niemand mehr &#8211; mit Ausnahme von Kittinger und Lorenz.<br \/>\nIn der letzten Ausgabe berichteten die Abenteurer von ihrer ersten Etappe, der Fahrt von Linz die Donau flussabw\u00e4rts bis ans Schwarze Meer. Sie segelten, wo immer es ging, fuhren unter Motor, wo es n\u00f6tig war, und waren st\u00e4ndig nass. Daf\u00fcr sorgten &#8211; neben tagelangem Regen &#8211; Unmengen von Spritzwasser, die \u00fcber den niederen Freibord der tiefliegenden Aquila ins Cockpit str\u00f6mten. Ihr Wunsch, dass die \u00fcberladene Jolle im Schwarzen Meer wieder selbstlenzend sein sollte, ist aus dieser Situation heraus leicht zu verstehen.<br \/>\nDie b\u00fcrokratischen H\u00fcrden meisterten Kittinger und Lorenz ebenso problemlos wie die Schleusen in Djerdap, und nach nur 16 Tagen erreichten sie den Schwarzmeerhafen Constantia. Nun konnte das gro\u00dfe Abenteuer beginnen, die Fahrt durchs Schwarze Meer, Marmara Meer, die \u00c4g\u00e4is und last but not least durch die Adria nach Triest.<br \/>\nGerhard Kittinger und Anton Lorenz erz\u00e4hlen in der zweiten Folge \u00fcber ihre Fahrt von Constantia nach Limnos in Griechenland.<\/strong><\/p>\n<p>Das rege, leicht hektische Treiben im Hafen von Constantia \u00fcbertrug sich auf uns. Wastl lag zum Auslaufen bereit an der Mole, doch jetzt, als es hie\u00df, in offene See zu stechen, wurde uns klar, warum uns befreundete Segler f\u00fcr verr\u00fcckt hielten. Obwohl wir einige Wasserkanister geleert und Teile des Proviants verbraucht hatten, war der Freibord nur unwesentlich h\u00f6her als bei der Abfahrt in Linz. Die Erfahrung der letzten 2000 Kilometer lehrte, dass er zu nieder war. Wie w\u00fcrde sich Wastl bei h\u00f6heren Wellen verhalten? So lautete die Frage. die sich jeder von uns insgeheim stellte.<\/p>\n<p>Wir tuckerten mit einem flauen Gef\u00fchl im Magen langsam aus dem Hafenbecken. verzichteten auf einen Lotsen und bahnten uns den Weg ins weite Meer. Die Aussicht auf faszinierende Naturerlebnisse lie\u00df uns innerlich ruhiger werden. Wir dachten noch einmal an die Tage auf der Donau, waren aber froh, diesen Abschnitt der Reise hinter uns zu haben. Der tr\u00e4ge, schlammfarbene Fluss hatte sehr aufs Gem\u00fct gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Eine frische Brise, gepaart mit etwas Spritzwasser riss uns aus den Gedanken, wir segelten konzentrierter und hielten zur K\u00fcste einen Abstand von ca. zwei Meilen. Bislang war nichts Sehenswertes zu entdecken. Die K\u00fcste schleppte sich flach dahin, Buchten gab es keine. Nur die aus dem Boden gestampften Badezentren boten ein wenig Abwechslung, wenn auch im negativen Sinn. Das einzig Sch\u00f6ne an diesen Erholungsd\u00f6rfern waren ihre klassischen Namen wie Neptun, Saturn, Jupiter. Venus etc.<\/p>\n<p>Der Wind blies mit drei Beaufort aus Nordost, w\u00e4hrend wir nach unseren Badehosen suchten. Wir sp\u00fcrten die W\u00e4rme der Sonne, und das Meerwasser hinterlie\u00df Salzkrusten auf der Haut, Genauso stellten wir uns Badesegeln vor, aber das war nicht unsere Absicht. Wir suchten das Abenteuer, und uns besch\u00e4ftigte die Frage, ob wir es \u00fcberhaupt erleben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Unbewusst wurden die Segel dichter geholt, ohne den Kurs zu \u00e4ndern. Der Griff nach den Schoten wiederholte sich noch einmal. Erst jetzt nahmen wir die Winddrehung auf S\u00fcdost wahr. Wastl lief bereits hart am Wind. Es war nun unm\u00f6glich, den bisherigen Kurs \u2014 parallel zur K\u00fcste \u2014 zu halten.<\/p>\n<p>Der Wind begann in den Wanten zu pfeifen, rasch baute sich eine kurze, extrem steile Welle auf. Ehe man sich versah, rauschten die ersten Brecher \u00fcber das Vordeck und zwangen uns ins \u00d6lzeug. Neptun schien es nicht gut mit uns zu meinen. Jede zweite Welle schickte er krachend ins Cockpit. Wastl machte kaum noch Fahrt, stampfte sich endg\u00fcltig fest. Die Aquila glich zu diesem Zeitpunkt einer Badewanne. Es grenzte an ein Wunder, dass sie \u00fcberhaupt noch schwamm. Wir gingen auf einen raumeren Kurs, doch das \u00fcberladene, bis zur Halskrause mit Wasser gef\u00fcllte Boot war kaum mehr beherrschbar. Pl\u00f6tzlich sa\u00dfen wir im wei\u00dfen Schaum eines gewaltigen Brechers. Wir versp\u00fcrten keine Angst, sondern waren fasziniert von dem wunderbaren Naturschauspiel. Die Vernunft siegte, \u00fcberwand diesen tranceartigen Zustand. In \u00e4rgster Bedr\u00e4ngnis starteten wir den Motor, rissen die Segel herunter und k\u00e4mpften in leicht schr\u00e4gem Winkel brutal gegen die Wellen.<\/p>\n<p>Der Druck am Ruder verst\u00e4rkte sich durch die starken Rollbewegungen. Zeitweise bedurfte es der Kraft beider H\u00e4nde, um ausreichend Gegenruder geben zu k\u00f6nnen. Da wich abrupt s\u00e4mtliche Belastung von der Pinne. Die schreckliche Ahnung best\u00e4tigte ein Blick zur\u00fcck. Das Ruderblatt hing nur noch gef\u00e4lligkeitshalber in seiner Halterung und pendelte bei jeder Bewegung des Schiffes hin und her. Wir hievten es schnell an Bord. m\u00e4hrend der Au\u00dfenborder die Funktion des Steuers \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Wastl benahm sich nun wie ein wildes Pferd, das es zu bereiten galt. Wir f\u00fchlten uns wie Rodeo-Cowboys, die nicht abgeworfen werden wollten. Derma\u00dfen durchgebeutelt, studierten wir den nassen Fetzen von Seekarte und entschieden, Rum\u00e4nien anzulaufen. Wir erreichten es nach hartem Kampf mit den Elementen ersch\u00f6pft, aber gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Den Zoll umgingen wir elegant durch Nichtbeachtung und wandten uns mit der Frage nach einer Werkst\u00e4tte unverz\u00fcglich an den Kapit\u00e4n eines benachbarten Arbeitsschiffes. Seine vernichtende Antwort \u2014 Reparierm\u00f6glichkeilen gibt es hier nicht &#8211; raubte uns den letzten Funken Zuversicht. Zu allem \u00dcberdruss standen wir unter Zeitdruck, denn in drei Tagen sollte Lisa in Istanbul vom Flughafen abgeholt werden. Das w\u00e4re auch mit intaktem Ruder kaum zu schaffen gewesen, und unter diesen Umst\u00e4nden schien es unm\u00f6glich.<\/p>\n<div id=\"attachment_4561\" style=\"width: 1502px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4561\" class=\"wp-image-4561 size-full\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/6.jpg\" alt=\"\" width=\"1492\" height=\"1352\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/6.jpg 1492w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/6-300x272.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/6-768x696.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/6-1024x928.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1492px) 100vw, 1492px\" \/><p id=\"caption-attachment-4561\" class=\"wp-caption-text\">In 54 Tagen mit einer Jolle von Linz nach Triest<\/p><\/div>\n<p>Die n\u00e4chste Hafenkneipe sollte helfen, die niederschmetternden Erkenntnisse der vergangenen Stunden zu verarbeiten. Wir kamen mit verschiedenen Leuten ins Plaudern, berichteten von der Fahrt mit Wastl und von unserem defekten Ruder. Pl\u00f6tzlich zogen uns zwei starke Arme beiseite. Der dazugeh\u00f6rige Mann \u2014 ein Besatzungsmitglied des t\u00fcrkischen Frachters Turanlar 1 \u2014 zeigte sich von unserer Reise fasziniert und unterbreitete einen geradezu sensationellen Vorschlag. Er meinte, man m\u00fcsste seinen Kapit\u00e4n fragen, ob er die Nussschale (plus Crew, als Decksfracht nach Istanbul mitnehmen w\u00fcrde. Seiner Meinung nach w\u00e4re das kein Problem.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen standen wir voll neuer Hoffnung vor Turanlar 1 und warteten auf den Kapit\u00e4n. Dieser empfing uns nach l\u00e4ngerer Wartezeit und berichtete freim\u00fctig vom abendlichen Saufgelage mit dem rum\u00e4nischen Zoll. Er meinte, dass er die Bes\u00e4ufnisse zwar hasse, aber sie w\u00e4ren die einzige M\u00f6glichkeit, die Zollabfertigung z\u00fcgiger zu gestalten. Nach den interessanten Ausf\u00fchrungen \u00fcber rum\u00e4nische Zollpraktiken trugen wir unser Anliegen vor. Der Kapit\u00e4n zeigte sich sehr hilfsbereit, alles verlief so, wie wir es uns einen Tag zuvor in weinseliger Stimmung ausgemalt hatten. Die vorsichtige Frage, ob wir uns die \u00dcberfahrt finanziell leisten k\u00f6nnten, wischte der grauhaarige T\u00fcrke mit einer l\u00e4ssigen Handbewegung vom Tisch. Sie gab uns eindeutig zu verstehen, da\u00df der Transport selbstverst\u00e4ndlich gratis w\u00e4re. Dar\u00fcber hinaus vermittelte er uns f\u00fcr den Umgang mit den Beh\u00f6rden noch seinen Agenten, der sich im kurzen Gespr\u00e4ch als echter Segelfreak entpuppte. Er erledigte die Zollformalit\u00e4ten der \u201eZusatz-Fracht&#8220; von Tutender I. Als wir ihn f\u00fcr seine Dienste entlohnen wollten, lehnte er mit den Worten \u2014 lt&#8217;s a pleasure, sir, indeed \u2014 dankend ab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4557 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/2-300x156.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/2-300x156.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/2-768x399.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/2.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Um 18 Uhr war alles zum Aufladen bereit. Wir legten den Mast, die Verlademannschaft fackelte nicht lange, und nach zehn Minuten lag Wastl fein s\u00e4uberlich verschn\u00fcrt an Deck. Am Morgen kam ein Z\u00f6llner an Bord und kassierte eine Fantasiegeb\u00fchr von 40 Dollar. Als der Frachter aus dem Hafen von Mangalia fuhr, waren nicht nur wir froh, Rum\u00e4nien verlassen zu haben.<\/p>\n<p>Die Huckepack-Fahrt nach Istanbul dauerte 24 Stunden. Sie sollte sich zum gem\u00fctlichsten Teil der ganzen Reise entwickeln. Man teilte uns eigene Kojen zu, verw\u00f6hnte uns mit gutem Essen, und der Kapit\u00e4n gestattete uns, das Radarger\u00e4t, den Funk- sowie Kartenraum jederzeit zu benutzen. Wir begn\u00fcgten uns mit der Beobachterrolle, standen mal da, dann wieder da im Weg herum. Was wir auch taten, wir ernteten immer ein L\u00e4cheln oder ein paar freundliche Worte. Am sp\u00e4ten Nachmittag warteten wir Wastl&#8217;s 6PS Murl, kontrollierten Beschl\u00e4ge, Wanten und Fallen. Dabei brachte man uns alle 15 Minuten Tee und erkundigte sich nach eventuellen W\u00fcnschen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4558\" style=\"width: 609px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4558\" class=\"wp-image-4558\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/3-1024x641.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/3-1024x641.jpg 1024w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/3-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/3-768x480.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/3.jpg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4558\" class=\"wp-caption-text\">Wie die M\u00fccke auf dem Elefanten nimmt sich die 6,30 m lange Aquila auf dem t\u00fcrkischen Frachter aus. Die Huckepackfahrt von Mangalia (Rum\u00e4nien) nach Istanbul war eine willkommene aber notwendige Reisevariante, denn das Ruder der Jolle hatte bei Starkwind im Schwarzen Meer vorzeitig seinen Dienst aufgegeben<\/p><\/div>\n<p>Die Einfahrt in den Bosporus erlebten wir um Mitternacht von der Br\u00fccke aus. \u00dcberw\u00e4ltigt beobachteten wir, wie Turaniar 1 in das Lichtermeer eintauchte, dabei selbst Bestandteil dieser faszinierenden Kulisse wurde. Man konnte in diesem beeindruckenden Lichterspiel keine Leuchtfeuer wahrnehmen. Trotzdem man\u00f6vrierte der Kapit\u00e4n den Frachter scheinbar m\u00fchelos durch den regen Verkehr, Er orientierte sich am Radarschirm, die notwendigen Ausweichman\u00f6ver besprach er \u00fcber UKW.<\/p>\n<p>Um 2 Uhr ging Turaniar 1 im Bosporus vor Anker. Die Gesundheitskontrolle kam an Bord und stellte die entsprechenden Dokumente &#8211; auch f\u00fcr Wastl &#8211; aus. Wenig sp\u00e4ter erschien die K\u00fcstenpolizei. In \u00d6sterreich hatte man uns versichert, dass man \u00fcberall an der t\u00fcrkischen Grenze f\u00fcr 10 Dollar ein Einreisevisum erhalten w\u00fcrde. Deshalb wandten wir uns mit der Bitte um zwei Visa an den Beamten, der uns augenblicklich wegen illegaler Einreise verhaften wollte. Wir verdankten es nur der Menschenkenntnis sowie dem taktischen Geschick unseres Kapit\u00e4ns, dass&nbsp;&nbsp; wir nicht in den Knast wanderten. Er stimmte den Beamten mit einigen sachlichen Argumenten wie einer Stange Zigaretten, einer Flasche Whisky und ein paar Drinks um. Dieser verlie\u00df daraufhin zufrieden das Schiff und machte sich auf zum n\u00e4chsten Frachter&#8230;<\/p>\n<p>Wir sa\u00dfen bis zum Morgengrauen an Deck, lie\u00dfen die imponierende Stimmung des Bosporus auf uns einwirken. Die dramatischen Augenblicke der letzten Stunde besch\u00e4ftigten uns die ganze Nacht, an Schlaf war nicht zu denken. Am fr\u00fchen Morgen lichteten wir die Anker und setzten die Fahrt durch den wundersch\u00f6nen Bosporus fort.<\/p>\n<p>Da geschah etwas Einmaliges.<\/p>\n<p>500 Meter vor der Marina Atake hielt der Frachter pl\u00f6tzlich an. Der Kapit\u00e4n deutete in Richtung Marina und erkl\u00e4rte: Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Hier vorne k\u00f6nnt ihr das Ruder reparieren. Viel Gl\u00fcck auf eurer langen Reise!<\/p>\n<div id=\"attachment_4559\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4559\" class=\"wp-image-4559\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4-300x182.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4-768x466.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4-1024x621.jpg 1024w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/4.jpg 1361w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4559\" class=\"wp-caption-text\">In der Istanbuler Marine Atak\u00e4y wurden das Ruder repariert und dann s\u00e4mtliche Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde wasserdicht verpackt (Im Bild Anton Lorenz mit Freundin Lisa, die nur streckenweise dabei war). Das erwies sich als sehr sinnvoll, denn w\u00e4hrend der st\u00fcrmischen Fahrt in eine idyllische Bucht auf der Insel Marmara verbrachten Boot und Crew etliche Zeit \u201eunter&#8220; Wasser<\/p><\/div>\n<p>Wastl schwamm in weniger als f\u00fcnf Minuten neben Turanlar 1. Wir verabschiedeten uns von der Crew, gingen an Bord und liefen erleichtert in der Marina Atake ein. Diese eingez\u00e4unte, bewachte Oase der Zivilisation bot all das, dem Menschen unseres Schlages gerne entfliehen, aber das Ruderproblem und eine Frau zwangen uns zum kurzen Stopp an dieser Stelle.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl, illegal in der T\u00fcrkei zu sein, war beunruhigend. Wir wandten uns telefonisch an die \u00f6sterreichische Auslandsvertretung, in der Hoffnung, dass sie uns weiterhelfen k\u00f6nnte. Dort erfuhren wir nichts Neues. Dass wir das Visum beim Ausklarieren beantragen m\u00fcssten, wussten wir ohnehin. Da dieses Problem vorerst nicht zu l\u00f6sen war, widmeten wir unsere ganze Kraft der Reparatur des Ruders. Der kurze Ausflug im Schwarzen Meer hatte die m\u00f6glichen Belastungen eindrucksvoll aufgezeigt, umso besser wollten wir f\u00fcr die Fahrt im Meltemi ger\u00fcstet sein.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde Lisa (Antons Freundin) vom Flughafen abgeholt. Sie sollte uns die n\u00e4chsten Tage begleiten. Wir hofften, mit ihr auch ein wenig Gl\u00fcck an Bord zu nehmen. Das schien tats\u00e4chlich der Fall zu sein, denn am n\u00e4chsten Morgen liefen wir mit einer sanften Brise im R\u00fccken aus. Wastl schleppte sich mit drei Mann Besatzung etwas beh\u00e4biger durch die Fluten. Der immer st\u00e4rker werdende Meltemi ver\u00e4nderte die Situation innerhalb der n\u00e4chsten Stunde aber schlagartig.<\/p>\n<p>Das Gro\u00df wurde gerefft. die Genua durch die Sturmfock ersetzt. Trotzdem lie\u00df der Meltemi Wastl jede Welle hinabsurfen. B\u00f6en versetzten uns in Gleitfahrt, sorgten f\u00fcr echtes Motorbootfeeling; einzig das Brummen der Maschinen fehlte \u2014 Gott sei Dank. Angesichts dieser Bedingungen verwarfen wir den Plan, das Marmara Meer direkt zu queren, sondern blieben vorerst auf der europ\u00e4ischen Seite unter Land.<\/p>\n<p>Das Steuern war Wahnsinn. B\u00f6en, die uns in der Surfpassage erwischten, musste man vorausahnen und rechtzeitig Gegenruder geben. Ohne diese Ma\u00dfnahme machte die enorme Kr\u00e4ngung die Aquila extrem luvgierig. Das Heck schien seitw\u00e4rts wegzudriften und Wastl \u00fcber den eigenen Kiel zu stolpern. Die Pinne war bei Gegenruder-Man\u00f6vern nur mit beiden H\u00e4nden zu b\u00e4ndigen, nur so konnte das Querschlagen verhindert werden. Es galt, immer den geeigneten Moment abzuwarten, dann ordentlich abzufallen \u2014 aber nicht zu fr\u00fch. Pl\u00f6tzlich knallte der Gro\u00dfbaum \u00fcber Lisas Kopf hinweg. Wastl lief aus dem Ruder, bohrte sich in die n\u00e4chste Welle, und das Cockpit war wieder einmal voll. Wir gingen erneut auf Kurs, bis ein bekanntes Gef\u00fchl Katastrophales erahnen lie\u00df. Das Ruder hatte sich abermals verabschiedet.<\/p>\n<p>Routinierter, weniger hektisch als im Schwarzen Meer, starteten wir den Motor. Die Segel wurden geborgen, und wir machten etwas frustriert den Abgang zur Steganlage beim Leuchtfeuer B\u00fcyiik Cekmece. Man empfing uns in der kleinen Siedlung mit der gewohnt t\u00fcrkischen Gastfreundschaft. Wir erl\u00e4uterten einigen Bewohnern unser Problem, worauf man uns sofort zu einer Werft brachte. Diese war zwar geschlossen, aber die freundlichen T\u00fcrken wussten sich zu helfen. Schnell holte man einen Werftarbeiter vom Strand, der sich freundlich l\u00e4chelnd \u00fcber das defekte Ruder machte. Ein stimmungsvolles Abendessen am Strand rundete den doch noch erfolgreichen Tag ab.<\/p>\n<div id=\"attachment_4562\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/7.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4562\" class=\"wp-image-4562 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/7-300x277.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"277\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/7-300x277.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/7-768x709.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/7-270x250.jpg 270w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/7.jpg 783w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4562\" class=\"wp-caption-text\">Zwei Abenteurer: Lorenz genie\u00dft das Sonnensegeln bei 4 Beaufort, aber so gem\u00fctlich ging es auf der Aquila nicht alle Tage zu.<\/p><\/div>\n<p>Wir verbrachten die Nacht am kleinen Privatsteg. Wastl, mit der wir noch \u00fcber tausend Meilen zur\u00fccklegen sollten, lag l\u00e4ngsseits am Steg. Das Licht der Sterne gab dem kleinen Boot etwas Majest\u00e4tisches. Die Sch\u00f6nheit der Nacht zog uns in ihren Bann, wir starrten auf die Weite des Meeres, sprachen kaum, und sch\u00f6pften aus dieser Ruhe Kraft f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<div id=\"attachment_4563\" style=\"width: 216px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/8.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4563\" class=\"wp-image-4563 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/8-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/8-206x300.jpg 206w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/8-300x437.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/8.jpg 610w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4563\" class=\"wp-caption-text\">Reffen war an der Tagesordnung wie im Marmara Meer, wo Kittinger diese Aufgabe \u00fcbernahm. N\u00fctzen sollte es wenig, denn bei eineinhalb Meter hohen Wellen und Windst\u00e4rken um 6 Beaufort ging das Ruder erneut in Br\u00fcche.<\/p><\/div>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen weckte uns Lisa. Der Meltemi begr\u00fc\u00dfte uns bereits mit der St\u00e4rke des Vortages. Wir verpackten unser Hab und Gut m\u00f6glichst wasserdicht, denn bei 6 Beaufort blieb auf Wastl kein Auge trocken. Die Segel \u2014 genau genommen die Sturmfock \u2014 wurden gesetzt, und ab ging&#8217;s im Surf. Es war schon toll, wie Wastl mit dem Minisegel die Wellen hinab ins Gleiten kam, im Wellental gebremst wurde und sich rund um uns wei\u00dfe Gischt aufbaute. Am Schiff herrschte Hochstimmung. Wir waren gl\u00fccklich, eine so atemberaubende Fahrt erleben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>In diesem Stil ging es bis Marmara auf der gleichnamigen Insel im gleichnamigen Meer, wo wir uns mit Proviant eindeckten. Wir genossen den Einkaufsbummel, liefen aber sogleich wieder aus. Nach den vielen Stunden am Boot wollten wir uns in einer Bucht erholen, ein wenig baden und tauchen. Letzteres zahlte sich aus, wir fanden Muscheln in H\u00fclle und F\u00fclle &#8211; darunter acht Austern. Jeder freute sich auf das abendliche Festessen. das zu einem Muschelexzess ausartete. Wir sa\u00dfen noch in den Fr\u00fchen Morgenstunden beisammen, waren uns aber einer Sache einig. Obwohl die Meeresfr\u00fcchte hervorragend mundeten, beschlossen wir, w\u00e4hrend der n\u00e4chsten Tage auf Muscheln zu verzichten.<\/p>\n<div id=\"attachment_4564\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/9.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4564\" class=\"wp-image-4564 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/9-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/9-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/9-768x528.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/9-1024x704.jpg 1024w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/9.jpg 1222w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4564\" class=\"wp-caption-text\">Die Linzer Studenten erblickten den Bosporus von Bord des Frachters Turanlar 1, der die l\u00e4dierte Aquila als \u201eFrachtgut&#8220; bis zur Marina Atak\u00f6y in Istanbul brachte.<\/p><\/div>\n<p>Der enge Terminplan zwang uns, zeitig aufzustehen, um nach Canacale in den Dardanellen zu segeln. Aolus war uns nicht gut gesonnen. Wir erreichten gerade vier Knoten, und das war entschieden zu wenig. So legten wir die 45 Meilen nach Canacale unter Motor zur\u00fcck. Die Str\u00f6mung in den Dardanellen half kr\u00e4ftig mit, sodass Wastl mit der Abendd\u00e4mmerung ziemlich abgeschlafft und durchger\u00fcttelt im Hafen einfuhr. Uns erging es nicht anders, hinzu kam noch das ungute Gef\u00fchl, illegal im Land zu sein. Gleichzeitig Ein-und Ausklarieren sowie ein Visa beantragen, war zu abenteuerlich. deshalb bem\u00fchten wir uns um professionelle Hilfe. Wir riefen \u00fcber Kanal 16 auf UKW die &#8222;fourtyfour agency&#8220; und vereinbarten mit dem zust\u00e4ndigen Agenten einen Termin.<\/p>\n<div id=\"attachment_4565\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/10.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4565\" class=\"wp-image-4565 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/10-300x216.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/10-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/10-768x554.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/10.jpg 911w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4565\" class=\"wp-caption-text\">Im Hafen von Canacale (rechts unten), den Kittinger und Lorenz plus Freundin nach 45 Meilen unter Motor durchger\u00fcttelt und entnervt erreichten, erwartete sie der h\u00e4rteste Beh\u00f6rdentag ihrer langen Reise<\/p><\/div>\n<p>Gemeinsam brachen wir zum h\u00e4rtesten Beh\u00f6rdentag unseres Lebens auf. Der H\u00fcrdenlauf umfasste f\u00fcnf Stationen &#8211; Passamt, Polizei, Zoll, Gesundheitsamt, Hafenkapit\u00e4n &#8211; die mehrere Male bew\u00e4ltigt werden mussten. Der Agent entschuldigte sich f\u00fcr die geschmalzenen Preise, aber was n\u00fctzte es. Das Banknotenb\u00fcndel in seiner Rechten schrumpfte bei jeder Station mehrmals (3 bis 4 korrupte Beamte), w\u00e4hrend sich in seiner Linken ein Papiersto\u00df mit zahllosen Stempeln h\u00e4ufte. Neun Stunden liefen wir in der unertr\u00e4glichen Hitze von Amt zu Amt. Wir fragten uns bereits, wie der Agent diesen m\u00f6rderischen Job auf Dauer aushalten konnte, erhielten aber die Antwort mit der Rechnung pr\u00e4sentiert. Sie setzte sich aus 100 Dollar Agenturkosten plus 180 Dollar an Bestechungsgeldern zusammen. Dieser 280-Dollar-Hindernislauf hatte nat\u00fcrlich auf unsere Lebensqualit\u00e4t weitreichende Auswirkungen. Eine davon war, dass das im Restaurant geplante Abendessen an Bord stattfand.<\/p>\n<p>Lisa musste am n\u00e4chsten Morgen in Myrina sein, der gr\u00f6\u00dften Ortschaft auf der griechischen Insel Limnos, um einen Anschluss nach Athen zu erreichen. Wir legten noch kauend und schmatzend ab, denn f\u00fcr 65 Meilen brauchten wir mindestens 12 Stunden. Der Wind blieb aus, da gab es kein Zaudern. Wir starteten den Motor, hissten die Petroleumlampe und stachen in See, bereit, 12 Stunden aufreibenden Motorenl\u00e4rm zu ertragen. Alles verlief wunschgem\u00e4\u00df. Wir lie\u00dfen gegen Mitternacht das Leuchtfeuer Tavsan Adasi backbord liegen und nahmen Kurs auf Kap Eirini, den s\u00fcd\u00f6stlichen Zipfel von Limnos. Pl\u00f6tzlich zogen dunkle Wolken auf, und um uns wurde es stockdunkel. Wir wussten, dass uns die starke Str\u00f6mung dieser Gegend mehrere Meilen versetzen w\u00fcrde, aber das Wissen um diese Tatsache n\u00fctzte nichts. Von unserer Position hatten wir nur mehr eine ungef\u00e4hre Ahnung, au\u00dferdem gab es laut Karte auf Kap Eirini kein Leuchtfeuer. Wastl pfl\u00fcgte einsam durch die dunkle See. Die Stimmung an Bord schwankte zwischen Bangen und Hoffen. Die Angst vor Untiefen sowie die Angst, vom Kurs abgekommen zu sein, lie\u00dfen Stunden zur Ewigkeit werden.<\/p>\n<p>Im Morgengrauen riss uns Lisas helle Stimme mit einer Frohbotschaft aus der n\u00e4chtlichen Lethargie. Land in Sicht! Sie, die die \u00fcberwiegende Nacht geschlafen hatte, nahm als erste die verschwommenen Konturen von Limnos wahr. Die Bef\u00fcrchtung, \u2014 was w\u00e4re, wenn wir Limnos nicht finden w\u00fcrden \u2014 die uns w\u00e4hrend der letzten Stunden gequ\u00e4lt hatte, wich aus unserer Brust. An ihre Stelle traten Freude und Dankbarkeit. Erleichtert man\u00f6vrierten wir Wastl in den Hafen von Limnos Myrina. Jedermann schien uns gut gesonnen zu sein. Das Einklarieren ging nach einem Hinweis auf die t\u00fcrkische B\u00fcrokratie sehr flott. &#8222;Sie werden sehen &#8211; zehn Minuten.&#8220; Tats\u00e4chlich dauerte es nicht einmal so lange, was wir wiederum als Beweis ansahen, dass das gespannte Verh\u00e4ltnis zwischen Griechen und T\u00fcrken auch seine guten Seiten hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>IN DER N\u00c4CHSTEN FOLGE:<br \/>\n<\/strong>Mit dem Meltemi durch die n\u00f6rdlichen Sporaden, den Golf von Korinth nach Korfu, nach Italien (Brindisi) \u00fcber die Adria nach Dubrovnik und schlie\u00dflich nach Triest<\/p>\n<p>Link: <a title=\"Permalink zu \u201eGrenzg\u00e4nger\u201c \u2013 Teil 1\" href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/?p=4497\" rel=\"bookmark\">\u201eGrenzg\u00e4nger\u201c \u2013 Teil 1<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus der YachtRevue 01\/1991. Herzlichen Dank an die Redaktion der YachtRevue Die erste Runde im Kampf mit den Elementen brachte zwei Abenteurer aus Linz an den Rand einer Niederlage. 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