{"id":4497,"date":"2017-03-30T16:53:40","date_gmt":"2017-03-30T15:53:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aquila-austria.at\/?p=4497"},"modified":"2017-06-20T10:20:26","modified_gmt":"2017-06-20T09:20:26","slug":"grenzgaenger-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aquila-austria.at\/?p=4497","title":{"rendered":"&#8222;Eine Reise von Linz nach Triest&#8220; &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<pre>Auszug aus der YachtRevue 12\/1990. Herzlichen Dank an die Redaktion der <a href=\"https:\/\/www.yachtrevue.at\/\">Yachtrevue<\/a><\/pre>\n<h3>Sie lieben die Gefahr, sind hart zu sich selbst, bedienen sich ungeeigneter Mittel und vertrauen auf eine geh\u00f6rige Portion Gl\u00fcck<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Anton Lorenz und Gerhard Kittinger sind in ihrem Bekanntenkreis seit einigen Jahren f\u00fcr einen ausgepr\u00e4gten Hang zum Abenteuer bekannt. Der 27j\u00e4hrige Kittinger erregte erstmals mit einer Schlauchbootfahrt von St. Malo \u00fcber die Channel Islands nach Wales Aufsehen. Ein Jahr darauf segelte er mit seinem kongenialen Partner Lorenz im selben Revier, wo sie im Winter, bei Glatteis an Deck, 14 Meter Tidenhub, 8 Knoten Str\u00f6mung und Nebel ihr seglerisches K\u00f6nnen vertieften.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4502 size-full aligncenter\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"1524\" height=\"1362\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2.jpg 1524w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-300x268.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-768x686.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2-1024x915.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1524px) 100vw, 1524px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Studentische Mittellosigkeit &#8211; sprich wenig Geld in der Brieftasche und noch weniger am Konto &#8211; zwang die Linzer zu m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstigen Unternehmen. Der Bau eines 18-F\u00e4sser-Flo\u00dfes war die Konsequenz dieser Einstellung, und mit einer Fahrt auf der Donau erf\u00fcllten sich die beiden einen Bubentraum. Sie man\u00f6vrierten das zwei Tonnen schwere Unget\u00fcm von Linz nach Krems und im Jahr darauf von Krems nach Hainburg.<\/strong><\/p>\n<p><strong>In der gem\u00fctlichen Atmosph\u00e4re eines Linzer Innenstadtlokals reifte beim zweiten Achterl Schilcher der Entschlu\u00df, mit einer Jolle von Linz bis ans Schwarze Meer zu fahren. Ein k\u00fchnes Unternehmen, das noch am selben Abend zu einem unglaublichen reifen sollte. Da den beiden der R\u00fccktransport des Bootes vom Schwarzen Meer zu teuer und kompliziert schien, entschieden sie sich f\u00fcr Triest als Endhafen. Die Reise sollte die Donau flussabw\u00e4rts ans Schwarze Meer, durchs Marmara Meer, die \u00c4g\u00e4is, von dort nach Italien \u00fcber die Adria nach Jugoslawien und schlie\u00dflich nach Triest f\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Allen Unkenrufen der Freunde und Segler zum Trotz begannen sie mit den Vorbereitungsarbeiten, wobei das Hauptaugenmerk der neuen Hubkiel-Aquila namens Wastl galt. Die Aquila wird vom Hersteller als Wanderjolle bezeichnet, ist 6,30 m lang, hat einen niederen Freibord und ist im Falle einer Kenterung ohne fremde Hilfe nicht wieder aufzustellen. In Hinblick auf die zu erwartenden Belastungen erneuerte Kittinger s\u00e4mtliche Nieten, ersetzte sie gro\u00dfteils durch Schrauben, verst\u00e4rkte Motoraufh\u00e4ngung, P\u00fcttinggegenplatten, Ruderaufh\u00e4ngung, Vorstagbeschlag, Spinnakerr\u00fcckholblock usw. Ein eingearbeitetes Inspektionsluk im Doppelboden sowie zus\u00e4tzliche Reffeinrichtungen sollten sich als unbedingt notwendig erweisen. Die Liste der mitzunehmenden Gegenst\u00e4nde nahm erschreckende Ausma\u00dfe an, soda\u00df Bekannte ein Sinken der Wastl schon nach wenigen Kilometern prophezeiten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Am 30. Juni 1990 war es dann soweit, die Abenteurer legten im Winterhafen Linz ab; ein Schild am rechten Donauufer zeigte die Entfernung zum Schwarzen Meer: 2131,8 Kilometer.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gerhard Kittinger und Toni Lorenz berichten in der ersten Folge \u00fcber ihre Fahrt die Donau flu\u00dfabw\u00e4rts bis ans Schwarze Meer.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_4499\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4499\" class=\"wp-image-4499\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-300x219.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-300x219.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1-768x561.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/1.jpg 978w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4499\" class=\"wp-caption-text\">Gerhard Kittinger (links) und Anton Lorenz (rechts) bei der Abfahrt in Linz. Die erste Etappe f\u00fchrte sie bis ans Schwarze Meer, erkennbar an den roten Punkten in der Karte, der Sie auch die Etmale &#8211; 54 von Linz nach Triest &#8211; entnehmen k\u00f6nnen. In Wien gingen Lisa, die Freundin von Lorenz und mit ihr die Sonne von Bord.<\/p><\/div>\n<p>Wir blickten auf ein Vorbereitungssemester mit Hauptfach T\u00f6rnplanung zur\u00fcck und stellten die berechtigte Frage, ob wir alles richtiggemacht hatten. Die umfangreiche Ausr\u00fcstung lie\u00df die Wasserlinie einige Zentimeter nach oben wandern, sodass die Lenzklappen die gegenteilige Funktion erf\u00fcllten. Unsere Familien waren zum Abschied versammelt, &nbsp;warfen skeptische Blicke auf das \u00fcberladene Boot, aber wir versuchten ruhig zu wirken. Vertrauen einzufl\u00f6\u00dfen! Im Hinterkopf lauerte die Hoffnung, dass die Aquila am Meer mit 20 Litern weniger Wasser, 40 Litern weniger Benzin und ohne Konservendosen wieder selbst-lenzend sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Tonis Freundin Lisa kam an Bord, versch\u00f6nerte mit ihrem strahlenden L\u00e4cheln das Abschiedsfoto, und bevor sich die Gelegenheit f\u00fcr unvermeidbare Sentimentalit\u00e4ten bot, legten wir ab. Im Hintergrund verhallten die Fachkommentare der Schaulustigen. Wenn sie es bis ans Schwarze Meer schaffen, ist das schon ein Erfolg. Lisa, die uns bis Wien begleitete, blickte kurz auf, aber ihre Gedanken behielt sie f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Die erste Br\u00fccke nach einem Kilometer stellte uns vor keine Probleme. Beim damaligen Wasserstand bot die Eisenbahnbr\u00fccke eine H\u00f6he von 8,5 m. Wir lie\u00dfen uns unter laufendem Motor mit dem Bug gegen die Str\u00f6mung zur\u00fccktreiben, aber diese Vorsichtsma\u00dfnahme erwies&nbsp;sich als unn\u00f6tig. Etwas sp\u00e4ter n\u00e4herten wir uns Persenbeug und wollten die Schleuse in gewohnter Routine passieren, als uns die geringe Durchfahrtsh\u00f6he zum Funkger\u00e4t greifen lie\u00df. 7,8 Meter, lautete die Auskunft der Schleusenaufsicht, und wir begannen, den Mast w\u00e4hrend der Fahrt zu legen. Die Sonne verschwand hinter den H\u00fcgeln im Westen, und das kr\u00e4ftig leuchtende Abendrot versprach Schlechtwetter.<\/p>\n<div id=\"attachment_4509\" style=\"width: 557px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4509\" class=\"wp-image-4509\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3-300x203.jpg\" alt=\"\" width=\"547\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3-768x520.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3-1024x694.jpg 1024w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/3.jpg 1094w\" sizes=\"auto, (max-width: 547px) 100vw, 547px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4509\" class=\"wp-caption-text\">Gem\u00fctlichkeit ohne Ende: Nach f\u00fcnf Regentagen gingen Anton Lorenz und Gerhard Kittinger daran, die nassen Sachen zu trocknen. Eine Arbeit, die im Zuge der Reise zu einer allt\u00e4glichen Zeremonie ausartete.<\/p><\/div>\n<p>Ein ausgiebiges Fr\u00fchstuck weckte die Lebensgeister, aber Lisa zeigte sich ungeduldig. Nach dem Ablegen setzten wir Gro\u00df sowie Spi und \u00fcberflogen den Stauraum Melk binnen k\u00fcrzester Zeit. 200 Meter vor der Schleuse wurden die Segel etwas hektisch und zu sp\u00e4t geborgen, die Unruhe Lisas steckte uns an, denn sie war auf der st\u00e4ndigen Suche nach einer Telefonzelle. Sie belastete unsere Nerven aber auf eine charmante Art und Weise, sodass man ihr nicht wirklich b\u00f6se sein konnte. Nach dem dritten Gasthaus-Telefonstopp r\u00fcckte sie dank unserer unaufh\u00f6rlichen Fragerei mit dem Grund ihrer Rastlosigkeit heraus. Ich organisiere f\u00fcr euch eine Abschiedsparty auf der Donauinsel. Also gebt bitte Gas!<\/p>\n<p>Ihr Wunsch wurde zu unserem. Wir ignorierten die Landschaftliche Sch\u00f6nheit der Wachau, fuhren standhaft an den hervorragenden Weinkellern vorbei und nahmen uns nicht einmal die Zeit, den Mast bei der zu niederen Kremser Br\u00fccke umzulegen. Ein Mann im Trapez sorgte f\u00fcr ausreichend Lage, und schon hatten wir wieder einige Minuten gewonnen. Um 21 Uhr wurde vorschriftsm\u00e4\u00dfig die Petroleumlampe gehisst, dennoch verloren wir die Ufermarkierungen bei zunehmender Dunkelheit aus den Augen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4511\" style=\"width: 447px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4511\" class=\"wp-image-4511 size-full\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"623\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4.jpg 437w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4-300x428.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/4-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4511\" class=\"wp-caption-text\">Na\u00df wird man auf der Aquila auch bei Sonnenschein, wie Lorenz glaubhaft versicherte.<\/p><\/div>\n<p>Wir legten mit etwas Versp\u00e4tung unterhalb der Reichsbr\u00fccke an, wo bereits zahlreiche Freunde auf unser Eintreffen warteten. Der Abend mit Lagerfeuerromantik fand durch pl\u00f6tzlich einsetzenden Regen ein j\u00e4hes Ende. Einige Gl\u00fcckw\u00fcnsche wurden noch zugerufen, w\u00e4hrend wir um die Persenning liefen.<br \/>\nDie Hoffnung nach Sonnenschein am Morgen erf\u00fcllte sich nicht. Feuchte Schlafs\u00e4cke, Regen. Windstille und keine Hoffnung auf Wetterbesserung raubten uns die letzten Illusionen. Einer setzte sich ans Steuer, w\u00e4hrend der andere im nassen Cockpit dahind\u00f6ste. Nur bei der Ausreise in Hainburg kam es zu einem vor\u00fcbergehenden Stimmungshoch. Als der Z\u00f6llner ein Oben-ohne-Foto Lisas im Pass fand und mit den Worten \u201eDe Nackerte da brauch i net!&#8220; zur\u00fcckgab.<\/p>\n<p>Wir tuckerten mit sechs Knoten dahin, unser Gem\u00fctszustand passte zu den trostlosen H\u00e4usern der Tschechoslowakei, da hielt ein Milit\u00e4rboot rasant auf Wastl zu und dirigierte uns zu einem alten Schleppkahn, der sich als Zollsteg entpuppte. Ein kr\u00e4ftiger Klimmzug war erforderlich, um an Deck zu gelangen, wo die P\u00e4sse gestempelt und wir sofort wieder entlassen wurden. Anschlie\u00dfend lud uns die Familien\u00adcrew einer Motoryacht voll Mit\u00adleid zu einem ausgiebigen Fr\u00fch\u00adst\u00fcck im Trockenen ein, danach kehrten wir der Idylle den R\u00fcck\u00aden und eilten nach Bratislava, wo uns ein Freund erwarten sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_4515\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4515\" class=\"wp-image-4515\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/5.jpg\" alt=\"\" width=\"390\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/5.jpg 780w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/5-300x338.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/5-267x300.jpg 267w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/5-768x864.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><p id=\"caption-attachment-4515\" class=\"wp-caption-text\">Die gro\u00dfe Aquila mit dem etwas gr\u00f6\u00dferen Tanker Carrera 1 in der Schleuse Djerdap<\/p><\/div>\n<p>Wolfgang war tats\u00e4chlich mit dem Fahrrad von Wien angereist und antwortete auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob er ein St\u00fcck mitfahren wolle, mit ja. Der Drahtesel wurde am Vordeck festgezurrt und erst nach 75 Ki\u00adlometern im str\u00f6menden Regen wieder seiner Bestimmung \u00fcber\u00adgeben. Wir bedauerten Wolf\u00adgang, denn 120 Kilometer im str\u00f6menden Regen nach Wien zu radeln, das konnte kein Vergn\u00fc\u00adgen sein. Seine Gedanken \u00fcber die Irren in der gerade noch schwimmenden Nussschale stan\u00adden auf einem anderen Blatt.&nbsp; Einklarieren in Ungarn und Ausklarieren in der CSFR brach\u00adten keine b\u00fcrokratischen H\u00fcrden, daf\u00fcr andere, vor allem die Bord\u00adwand des slowakischen Pontons, welche wir abermals mit einem Klimmzug meisterten.<br \/>\nAuf der Suche nach einem ge\u00adeigneten Schlafplatz passierten wir den Industrie Ort Kom\u00e1rom, wo zahlreiche Schleppk\u00e4hne vor Anker lagen. Dieser Platz kam f\u00fcr eine \u00dcbernachtung ebenso wenig in Frage wie die folgen\u00adden. Schlechter Ankergrund, zu starke Str\u00f6mung oder zu viel In\u00addustrie lie\u00dfen uns bis weit in die Nacht hinein weiterfahren. End\u00adlich bot sich ein kleiner Seiten\u00adarm mit schemenhaft erkenn\u00adbarer Schlammbank und \u00fcber\u00adh\u00e4ngenden B\u00e4umen als Schlaf\u00adplatz an. Wir hielten in echter Motorbootmanier aufs Ufer zu, wollten im Trockenen zu liegen kommen, aber in unserer Eupho\u00adrie verga\u00dfen wir die B\u00e4ume. Das Rigg verfing sich, und Wastl trieb unkontrolliert in unmittel\u00adbarer Ufern\u00e4he. Staken half nicht, deshalb warfen wir den Anker, legten eine Sorgeleine zum n\u00e4chsten Baum und genos\u00adsen die Nacht im Zelt. Schlamm, N\u00e4sse und Tausende von Gelsen gestalteten sie zu einem unvergesslichen Erlebnis.<\/p>\n<div id=\"attachment_4527\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4527\" class=\"wp-image-4527 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/8-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/8-208x300.jpg 208w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/8-300x432.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/8.jpg 574w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><p id=\"caption-attachment-4527\" class=\"wp-caption-text\">Die Kojen wirrken unaufger\u00e4umt, doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Geradezu penibel bereitete man die Schlafpl\u00e4tze vor, denn sonst h\u00e4tte sich kein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr eine geruhsame Nacht gefunden.<\/p><\/div>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen brachte Vers\u00f6hnliches. Sonnenschein, schmackhaftes Essen in einem Hotel in Esztergoin und eine Br\u00fccke, die sich f\u00fcr Reparaturen am Masttopp bestens eignete. Nach Nagymaros teilte sich der Strom, und wir fanden einen idyllischen Liegeplatz. Die Nacht \u00fcbertraf die vorhergehende in punkto Gelsenstiche bei weitem, dazu kam Regen mit all den Unannehmlichkeiten, die ein aus Faulheit nicht aufgestelltes Au\u00dfenzelt mit sich bringt.<br \/>\nTrocknungsversuche wurden ohne Aussicht auf Erfolg abgebrochen. Wir packten das nasse Zeug ein, warfen den Murl an und freuten uns auf ein k\u00fchles Bier in Budapest. Der \u00fcbliche Klimmzug schaffte daf\u00fcr die Berechtigung. Frisch gest\u00e4rkt steuerten wir Dun\u00e1ujv\u00e1ros, den ersten richtigen Ostblockhafen, an.<br \/>\nDie Ausf\u00fchrungen im Donauhandbuch klangen verhei\u00dfungsvoll: <em>Liege- und \u00dcbernachungsm\u00f6glichkeit im Winterhafen, Stirnseite Fischer- und Bootsklub. Achtung! Bei niedrigem Wasserstand Stangen beachten.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Vor unserem geistigen Auge sahen wir uns schon unter der Dusche stehen. Wir hielten bei Mittelwasser genau auf die Fahrrinne zwischen den Stangen zu, wo sich Wastl \u2014 trotz hochgeholtem Schwert \u2014 mit einem sanften Ruck in einer Schlammbank eingrub. Willkommen im Osten! Mit der Dusche in Aussicht schenkten wir uns wenig, erreichten deshalb total verschlammt den ersten und einzigen Steg. Die Ansammlung von zum Teil halbvermoderten Fischerhooten lie\u00df Schreckliches erahnen, von einem Yachtclub fehlte jede Spur. Benzin besorgte ein zuf\u00e4llig in der N\u00e4he arbeitender Postangestellter.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf Tagen und knapp 600 Kilometern kamen wir erstmals einen ganzen Tag ohne Regenbekleidung aus. Baja war sch\u00f6n, die Perle Ungarns lie\u00df keine W\u00fcnsche offen. Kurz nach dem Auslaufen stoppte uns ein Boot der ungarischen Wasserpolizei. W\u00e4hrend wir alle M\u00f6glichkeiten durchgingen, was ein so kleines Schinakel falsch gemacht haben k\u00f6nnte, dr\u00fcckte uns ein freundlicher Beamter eine deutsch abgefa\u00dfte Informationsschrift \u00fcber das richtige Verhalten auf See und die Sch\u00f6nheiten Ungarns in die Hand.<\/p>\n<div id=\"attachment_4531\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/10.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4531\" class=\"wp-image-4531 size-medium\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/10-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/10-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/10-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/10.jpg 770w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4531\" class=\"wp-caption-text\">Mit der Kanalfahrt hie\u00df es auch Abschied nehmen von so idyllischen \u00dcbernachtungspl\u00e4tzen wie diesem in Ungarn. Tausende Gelsen gestalteten die Donau-N\u00e4chte zu unverge\u00dflichen Erlebnissen, die an darauffolgenden Tagen mit Antibiotika-Salben verarbeitet wurden. Das Bild stammt aus den ersten Tagen der Reise, als die anf\u00e4ngliche Begeisterung die M\u00fchen des Zeltaufstellens im kn\u00f6cheltiefen Schlamm noch \u00fcberwog. Diese anstrengende und unn\u00f6tige Aktivit\u00e4t wurde aber sehr bald eingestellt.<\/p><\/div>\n<p>ln Moh\u00e1cs fertigte uns der ungarische Zoll in zehn Minuten ab, der jugoslawische Kollege lie\u00df zwei Stunden auf sich warten. Beim Ausf\u00fcllen von drei mal f\u00fcnf Durchschl\u00e4gen r\u00f6chelte er wie ein Mann, der am Ende einer langen Raucherkarriere stand.<br \/>\nWir wu\u00dften, f\u00fcnf Minuten mu\u00dfte er noch durchhalten, sonst s\u00e4\u00dfen wir einen Tag fest. Da wir keine 4 Dinar hatten, akzeptierte er ein P\u00e4ckchen Marlboro.<\/p>\n<p>In Dalj findet der Ostreisende jeglichen Komfort wie Restaurants. Hotels, Banken und eine bewachte Marina. Nur eine Tankstelle fehlt, diese liegt einen Kilometer vom Hafen entfernt. Wir nahmen es nicht tragisch, sahen den Boxenstopp als Bestandteil der k\u00f6rperlichen Ert\u00fcchtigung und fuhren nach Novi Sad. Die \u201eMarina&#8220; hinter der Fischerinsel gleicht optisch einem Schiffsfriedhof, eignet sich aber dank der typischen Friedhofsruhe ausgezeichnet als Liegeplatz.<\/p>\n<p>Der Pumpball der Benzinzufuhrleitung war seit einiger Zeit defekt, aber nun nahm das Stottern des Au\u00dfenborders beunruhigende Ausma\u00dfe an. Auf der Suche nach einer Evinrude Vertretung bei Belgrad \u201estotterten&#8220; wir die Save aufw\u00e4rts, als uns ein unvermutet auftauchender Mastenwald anlockte. Neugierig geworden liefen wir den Segelklub namens Prodarac an, wo zwei hilfsbereite Teams unsere Probleme l\u00f6sten. Team 1 f\u00fcllte uns unerbittlich bis zum n\u00e4chsten Morgen an der Bar ab, w\u00e4hrend Team 2 Wastl verholte und den Benzinball reparierte.<br \/>\nDas Donautal verengt sich ab dem Golubacfelsen. Bis zum Kraftwerk Djerdap I erinnerte uns die Landschaft an eine Mischung aus \u00f6sterreichischen Almen und jugoslawischem K\u00fcstengebirge. Aufkommende Fallwinde vermittelten echtes Borafeeling, das von der kurzen steilen Welle noch verst\u00e4rkt wurde.<\/p>\n<p>Gegen Abend schaukelte unsere kleine Aquila vor den m\u00e4chtigen Schleusen von Djerdap I. Die Aufsicht gab gerade dem \u00f6sterreichischen Tankschiff Carrera 1 auf Kanal 16 gr\u00fcnes Licht. Wir schlugen vor, mitschleusen zu d\u00fcrfen und erhielten prompt das 0. K. Carera 1 und Wastl lagen l\u00e4ngsseits, an Bord des Tankers begr\u00fc\u00dfte uns der Kapit\u00e4n mit k\u00fchlem, \u00f6sterreichischem Bier. Wir durften die Duschen benutzen, man erkl\u00e4rte uns die Kommandobr\u00fccke, h\u00e4ngte eine Avanti-Flagge in die Wanten und entlie\u00df uns frisch gewaschen nach gut einer Stunde mit einem Lehrbuch \u00fcber Schubschiffahrt. Ein anst\u00e4ndiger Liegeplatz f\u00fcr die Nacht w\u00e4re uns lieber gewesen, aber wegen der einbrechenden Dunkelheit mu\u00dften wir mit der Schiffsanlegestelle in Kladovo vorlieb nehmen. Der n\u00e4chtliche Nordweststurrn zerrte an Festmachern und unseren Nerven gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4530\" style=\"width: 652px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4530\" class=\"wp-image-4530 size-full\" src=\"http:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/9.jpg\" alt=\"\" width=\"642\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/9.jpg 642w, https:\/\/www.aquila-austria.at\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/9-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><p id=\"caption-attachment-4530\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcr die Fahrt durch den 64 Kilometer langen Kanal von Gernevada nach Canstantia m\u00fcssen alle Schiffe per Funk einen Lotsen anforderen. So taten es auch die beiden Linzer, und wie vereinbart zeigte sich bald ein Lotsenboot, nur hielt es nicht auf die Aquila zu, sondern kreiste scheinbar ziellos &#8211; auf der Suche nach der \u201eYacht&#8220;, die da geschleust werden sollte &#8211; umher. Als der Lotse nach einer ca. 10min\u00fctigen Spazierfahrt die 6,30 m lange Aquila als das gesuchte Boot erkannte, verbarg er m\u00fchsam ein L\u00e4cheln, kam mit einem Funkger\u00e4t bewaffnet an Bord und setzte sich ans Steuer.<\/p><\/div>\n<p>6 bis 7 Beaufort, dazu eine unangenehme Welle und ein Deck, das st\u00e4ndig mit Wasser \u00fcbersp\u00fclt wurde, sahen wir als Herausforderung. Wastl machte pr\u00e4chtig Fahrt, bis sich pl\u00f6tzlich der Kiel in einem Schlingpflanzenkleid verfing und das Boot trotz gesetzter Segel zum Stillstand kam. Wir fierten, stakten wie die Verr\u00fcckten, kamen frei und passierten Djerdap II in Rekordzeit.<br \/>\nTanken und Ausklarieren in Prahovo verlief problemlos, ebenso die \u00dcbernachtung im internationalen Gew\u00e4sser. Die letzte Eintragung im Donauhandbuch bezog sich auf das Kraftwerk Djerdap II. Ab nun galt es, Pionierarbeit zu leisten.<\/p>\n<p>Der jugoslawische Zoll schickte uns zum Einklarieren nach Vidin, ein v\u00f6lliger Unsinn, wie sich herausstellte. Von dort schickte man uns wieder stromaufw\u00e4rts zu einer F\u00e4hranlegestelle. 30 Minuten Wartezeit brachten uns ein bulgarisches Dokument, welches den Weg zur 500 Meter entfernten Zollstation ebnete. Die Zollformalit\u00e4ten waren eine Angelegenheit von wenigen Minuten, das Wechseln von 50 Dollar Noten in wertlose Scheine dauerte eine Stunde.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag f\u00fchrte uns eine Gewalttour in das 200 Kilometer entfernte Port Rusc, wo man uns im staatlichen Segelklub freundlich aufnahm, Mitternachtsdinner beim Klubsekret\u00e4r und Eintragung ins G\u00e4stebuch rundeten den Abend ab. Als bunte, exotische Hunde lud man uns zum Donaufest. Leider hinderte uns der Terminplan, daran teilzunehmen, so verfolgten wir kurz die Parade der Clubyachten und liefen aus. Mit einem Schmunzeln nahmen wir zur Kenntnis, da\u00df alle Yachten zwei russische Au\u00dfenborder montiert hatten. Das Vertrauen in sowjetische Technologie schien sich auch in diesen Landen in Grenzen zu halten.<br \/>\nEin Bulgare war uns beim Ausklarieren in Silistra behilflich. Er kannte die Zollbeamten ebenso wie einen Forstpolizisten, der uns zu einer Tankstelle fuhr. Mit Benzingutscheinen in der Hand betraten wir die Tankstelle. Diese erwies sich als geschlossen, die Bezahlung in Dollar \u00e4nderte die Ladenschlu\u00dfzeiten sofort.<br \/>\n700 Meter flu\u00dfabw\u00e4rts legten wir an einer F\u00e4hranlegerampe an und wollten in Rum\u00e4nien einklarieren. Alle Versuche, die Formalit\u00e4ten zu erledigen, scheiterten am Desinteresse der Z\u00f6llner. Letztendlich schickten sie uns in postrevolution\u00e4rer Lockerheit Richtung Schwarzes Meer. Am 15. Juli, dem 16. Tag unserer Reise, begann der Kampf mit den Terminen. Lisa wollte uns in vier Tagen in Istanbul treffen. Die Fahrt durch das Delta w\u00fcrde zu lange dauern, deshalb entschieden wir uns f\u00fcr den Kanal von Cernavoda nach Constantia. Der 64 Kilometer lange Kanal w\u00fcrde uns 300 Kilometer Donau, 60 Meilen Schwarzes Meer und weit \u00fcber 1000 Gelsenstiche ersparen. Per Funk wurde \u00fcber die H\u00f6he der Geb\u00fchr gefeilscht. Wir dr\u00fcckten den Preis von 400 auf 200 Dollar. Ein Lotsenboot kam, suchte die Yacht, die da geschleust werden wollte, fand sie aber nicht. Nachdem der Lotse die Situation erfa\u00dft hatte, kam er an Bord und setzte sich \u2014 begeistert \u2014 ans Steuer. Der Hafenmeister von Constantia begr\u00fc\u00dfte uns pers\u00f6nlich und versorgte uns exzellent, was in Anbetracht der 200 Dollar nicht zu viel verlangt war. Wir n\u00e4chtigten oberhalb der letzten Schleuse und beschlossen, die letzte H\u00fcrde auf den Weg zum Schwarzen Meer fr\u00fchmorgens in Angriff zu nehmen. Preisverhandlungen er\u00fcbrigten sich, der Hafenmeister verlangte statt der erwarteten 200 Dollar nur 20, leider wurde auch das Service diesem Tarif angepa\u00dft. Wastl wurde zusammen mit einem Schubschiff durchgeschleust, und wir warteten drei Stunden auf die Zollabfertigung. Schlie\u00dflich erschien der sichtlich gestre\u00dfte Zollbeamte. Erledigte s\u00e4mtliche b\u00fcrokratischen Angelegenheiten und verlangte zu guter Letzt noch 50 Dollar Anreispesen, bot aber quasi als Gegengesch\u00e4ft 2 Kilo Schwarzmarkt Kaviar an. Wir lehnten dankend ab, denn das Meer war salzig genug, und liefen volle Fahrt voraus ins offene Meer. Rum\u00e4nien ade!<\/p>\n<p><strong>FORTSETZUNG im MAI:<\/strong> Abenteuerliche Fahrt am Schwarzen Meer. Mit dem Meltemi durchs Marmara Meer und die \u00c4g\u00e4is nach Limnos<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus der YachtRevue 12\/1990. Herzlichen Dank an die Redaktion der Yachtrevue Sie lieben die Gefahr, sind hart zu sich selbst, bedienen sich ungeeigneter Mittel und vertrauen auf eine geh\u00f6rige Portion Gl\u00fcck Anton Lorenz und Gerhard Kittinger sind in ihrem Bekanntenkreis seit einigen Jahren f\u00fcr einen ausgepr\u00e4gten Hang zum Abenteuer bekannt. 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